Denn oftmals bleiben die geschlechterspezifischen Unterschiede weitestgehend unentdeckt, da Arbeitgebende nicht transparent darlegen müssen, wie viel sie für welche Leistungen bezahlen. Dies ändert sich allerdings spätestens im kommenden Jahr mit der Umsetzung der europäischen Entgelttransparenzrichtlinie in deutsches Recht.
Nach aktuellen Zahlen des Landesamts für Statistik Niedersachsen (LSN) ging der unbereinigte Gender Pay Gap, also der Gesamtverdienstunterschied zwischen Frauen und Männern ohne Berücksichtigung von Faktoren wie Branche, Beruf oder Arbeitszeitmodell, im Jahr 2024 landesweit von 18 auf 15 Prozent zurück. Damit liegt Niedersachsen knapp unter dem Bundesdurchschnitt (16 Prozent). Seit 2006 ist gar ein Rückgang von insgesamt 10 Prozentpunkten zu verzeichnen, was insbesondere auf den stärkeren Anstieg der Bruttomonatsverdienste von Frauen zurückzuführen ist. Der bereinigte Gender Pay Gap (Verdienstunterschied bei vergleichbarer Qualifikation, Tätigkeit und Erwerbsbiografie) sank derweil von 7 auf 5 Prozent (bundesweit: 6 Prozent).
"Die Richtung stimmt!"
„Der Rückgang der Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern ist eine gute Entwicklung und macht deutlich, dass die Richtung stimmt“, kommentiert Niedersachsens Gleichstellungsminister Dr. Andreas Philippi. „Die Fortschritte dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Gefälle weiterhin hoch ist. Über die Hälfte der erwerbstätigen Frauen kann mit ihrem eigenen Einkommen ihre Existenz nicht über den gesamten Lebensverlauf absichern. Noch drastischer ist die Situation für Mütter: 70 Prozent der erwerbstätigen Frauen verdienen nicht genug, um langfristig für sich und ein Kind vorzusorgen. Das dürfen wir nicht einfach so hinnehmen! Deswegen muss es uns gelingen, die strukturellen und gesellschaftlichen Benachteiligungen abzubauen und Frauen eine wirtschaftlich unabhängige Existenz zu ermöglichen. Da sehe ich auch die künftige Bundesregierung in der Pflicht, entsprechende Weichen zu stellen.“
Quelle: Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung